Gaia und Uranos

Wer geboren werden will, muss eine Welt zerstören.

Hermann Hesse

Am Anfang war das Chaos. Gaia, Mutter Erde, erhob sich aus dem Chaos und gebar im Schlafe ihren Sohn Uranos, den Himmel. Er ließ einen fruchtbaren Regen auf seine Mutter herabrieseln und sie brachte Leben: Wiesen begannen zu wachsen, Flüsse zu sprießen, es entstanden Meere und Seen und Tiere bevölkerten die Welt. Die ersten denkenden Kinder, die Gaia Uranos gebar, waren die drei Hundertarmigen. Uranos hasste

die Hundertarmigen von Beginn an, weshalb er sie immer wieder zurück in den Schoß der Gaia stieß. Sie buckelte sich vor Schmerzen und formte so die ersten Gebirge. Die ersten wahrhaft gelungenen Kinder der Gaia und des Uranos waren die zwölf Titanen. Doch auch nach deren Geburt hörte Uranos nicht auf, seine Frau und Schwester zu quälen und die Hundertarmigen zurückzustoßen. So kam es, dass Gaia ihren ältesten Sohn Kronos um Hilfe bat. Sie ließ ihm eine Sichel wachsen, mit welcher er seinen Vater entmannen sollte. Er vollführte den Akt und trennte den Himmel dadurch unwiederruflich von der Erde. Wo die Bluttropfen seines Gliedes auf die Erde auftrafen, entstanden die Erynnen, die Rachegöttinnen. Von nun an herrschte Kronos an seines Vaters statt.