Hermes

 Mir scheinen List und Klugheit nicht den Mann zu schänden, der sich kühnen Taten weiht.

Johann Wolfgang von Goethe

Hermes war der Sohn von Zeus, den er mit der scheuen Nymphe Maia zeugte, die er oft des Nachts aufsuchte, während Hera schlief. Schließlich gebar sie Hermes, ein kleines Kind, dass schnell auszog, um Abenteuer zu erleben. Eines Tages fand Hermes die Rinderherde Apollos und stahl sie. Als Apollo den Verlust bemerkte, suchte er die ganze Welt ab, konnte jedoch keine Spur seiner Rinder finden, da Hermes aus Rinden und Gras Schuhe geschaffen hatte, die seine Spuren verbargen. Nach langer Suche entdeckte Apollo jedoch schließlich zwei Rinderhäute vor der Höhle der Maia und beschuldigte das kleine Kind des Raubes. Der Streit wurde bis zu Zeus getragen, der Hermes in seiner Unschuld unterstützte. Apollo jedoch blieb hartnäckig und schließlich gestand Hermes seine Taten und gab die Tiere zurück. Da Apollo noch nicht besänftigt war, führte Hermes ihn in sein Heim, wo er etwas aus seinen Bettlaken hervorholte, das dort versteckt lag. Es war eine Leier, die er aus dem Panzer einer Schildkröte hergestellt hatte. Er spielte die Leier und sang Loblieder auf Apollo, der umgehend von dem Instrument begeistert war. Er schlug Hermes einen Tausch vor: Apollo sollte das Instrument erhalten und Hermes die Herde hüten und fortan als Gott und Beschützer der Hirten walten. Hermes erklärte sich einverstanden und während die Kühe weideten, schnitt er ein Stück Rinde aus einem Baum und formte daraus eine Hirtenflöte. Apollo, auch von diesem Instrument verzaubert, wollte die Flöte gegen seinen goldenen Hirtenstab tauschen und Hermes willigte ein. Von dem Einfallsreichtum des Hermes begeistert, machte ihn Zeus zum Boten für die Götter. Er rang ihm das Versprechen ab, nicht weiter Lügen zu erzählen, Hermes willigte ein, versprach jedoch nicht, stets die ganze Wahrheit zu sagen. Er wurde mit einem Hut und geflügelten Schuhen ausgestattet und schützte fortan sowohl Reisende als auch Diebe.