Die Sphinx

Das ist das wahre Wunder der Technik, dass sie das, wofür sie entschädigt, auch ehrlich kaputt macht.

Karl Kraus

Als Bestrafung für den König schickte die Göttin Hera die Sphinx nach Theben. Sie war eine Tochter der Echidna und ein gewaltiges Ungeheuer mit dem Kopf einer Frau, dem Körper einer Löwin, einem Schlangenschwanz und Adlerflügeln. Sie wachte über dem Eingang zur Stadt Theben auf einem Felsen und gab jedem, der an ihr vorbei wollte, eines ihrer Rätsel auf. Konnte es von demjenigen, der sich dem Rätsel ­angenommen hatte, nicht gelöst werden, zerriss ihn die Sphinx in der Luft und fraß ihn auf. Das Schicksal wollte es, dass zu jener Zeit Ödipus auf dem Weg nach Theben war. Er kam zur Sphinx und sie sprach: „Am Morgen ist es vierfüßig, am Mittag zweifüßig und am Abend dreifüßig. Aber wenn es die meisten Füße bewegt, sind die Kraft und die Schnelligkeit seiner Glieder am geringsten.“ Ödipus löste das Rätsel der Sphinx: der Mensch. Als Säugling auf vier Beinen, als Mann aufrecht gehend und als Greis stützt er sich auf einen Stock. Aus Scham und ­Verzweiflung stürzte sich die Sphinx von ihrem Felsen und starb.